User Story: Smarte Geschwindigkeitsmesstafeln in Fargau‑Pratjau

Vom USB‑Stick zur Live‑Übersicht: Fargau‑Pratjau macht Verkehrsdaten sichtbar, indem das landesweite LoRaWAN®‑Netz genutzt und ein schlanker Webhook eingesetzt wird.

Die Ausgangslage 

Geschwindigkeitsmesstafeln gehören in vielen Gemeinden zur Grundausstattung, jedoch ist die Auswertung oft umständlich. Die Daten müssen vor Ort per USB ausgelesen werden, was Zeit kostet, das Ehrenamt oder den Bauhof bindet und verhindert, dass Erkenntnisse zeitnah in die Verkehrsplanung einfließen.

In Fargau‑Pratjau wurde ein alternativer Ansatz gewählt. Zwei bestehende Messtafeln des Modells Viasis Lite der Firma via traffic controlling GmbH erhielten eine LoRaWAN® ‑Anbindung. Das Ziel bestand darin, die Messwerte automatisiert und regelmäßig zu übermitteln, ohne persönlich zur Tafel fahren zu müssen. Zusätzlich zur Übertragung der Geschwindigkeitsdaten werden nun auch die Batteriespannungen mitgesendet, sodass eine Einschätzung der verbleibenden Betriebsdauer möglich wird.

Der Ansatz

Die Gemeinde nutzt das landesweite LoRaWAN® ‑Netz Schleswig‑, sodass keine eigenen Gateways erforderlich sind. Die Funkabdeckung vor Ort ist ausreichend. Die Anbindung wurde bewusst pragmatisch umgesetzt: Die Messdaten werden per LoRaWAN® an einen Webhook übermittelt, der auf einem bereits vorhandenen Webserver mit Datenbank läuft. Dadurch werden bestehende Ressourcen genutzt und zusätzlicher Einführungsaufwand vermieden. Parallel existiert eine dritte Messtafel, die über GSM angebunden ist, wodurch beide Übertragungswege im Praxiseinsatz miteinander verglichen werden können. Die Messtafeln arbeiten mit austauschbaren und wiederaufladbaren Batterien, deren Zustand durch die übermittelte Spannung leichter überwacht werden kann.

So funktioniert es

Die eingesetzten Messtafeln stammen von der via traffic controlling GmbH und entsprechen dem Modell Viasis Lite. Für die LoRaWAN® ‑Anbindung wird ein Arduino mega328p mini mit einem USB Host Shield 2.0 sowie ein WIO‑E5‑Modul auf einer Adapterplatine verwendet. Die aktuell gefahrenen Geschwindigkeiten werden über USB ausgelesen. Anschließend werden im Intervall von 30 Minuten der minimale, der durchschnittliche und der maximale Wert sowie die Anzahl aller Messungen gebildet. Diese aggregierten Werte werden per LoRaWAN® übertragen. Außerdem wird auch die Batteriespannung übertragen, die eine Einschätzung der verbleibenden Betriebsdauer ermöglicht. Auf dem Gemeindeserver nimmt ein PHP‑Webhook die Daten entgegen und speichert sie in der Datenbank. Ein Webserver stellt die aktuellen Informationen anschließend visuell dar.

 

Reifegrad und Erkenntnisse

Der aktuelle Stand entspricht einem funktionierenden Prototyp mit zwei angebundenen Messtafeln. Die erfassten Daten sind belastbar und für die Gemeindearbeit gut nutzbar. Eine Skalierung ist zwar möglich, allerdings wurde diese bewusst noch nicht weiter vorangetrieben. Aus dem Betrieb ergeben sich zwei wesentliche Erkenntnisse. Erstens kommt es gelegentlich zu Übertragungslücken. Etwa einmal täglich werden keine Messwerte übermittelt, was im Funkbetrieb vorkommen kann. Durch die aggregierten 30‑Minuten‑Werte bleiben die zeitlichen Verläufe jedoch dennoch aussagekräftig. Zweitens erfolgt die Zeitsynchronisierung über LoRaWAN®. Nicht alle Gateways unterstützen diese Funktion zuverlässig, weshalb die Synchronisierung zum Teil verzögert einsetzt. Für den Prototypen ist dies akzeptabel, sollte jedoch in einer späteren Ausbaustufe verbessert werden.

Warum dieser Ansatz wirkt

Die Gemeinde profitiert auf mehreren Ebenen. Da das manuelle Auslesen per USB entfällt, werden Vor‑Ort‑Einsätze seltener, was Zeit spart und Abläufe vereinfacht. Die automatisiert übermittelten Daten ermöglichen eine schnellere und faktenbasierte Diskussion über Maßnahmen der Verkehrsberuhigung, die Beschilderung oder mögliche Kontrollen. Da der bestehende Webserver und die vorhandene Datenbank weiter genutzt werden, ist die Einstiegshürde gering. Zusätzlich liefert die dritte Messtafel mit GSM‑Anbindung wertvolle Vergleichswerte, sodass unterschiedliche Übertragungswege praxisnah gegenübergestellt werden können.

Unser Dank gilt Carsten Heinemann aus der Gemeinde Fargau‑Pratjau für das Teilen der Projekterfahrungen und den konsequent pragmatischen Ansatz. Dieser Beitrag beschreibt bewusst einen funktionierenden Prototyp. Er soll anderen Kommunen Mut machen, mit vorhandenen Mitteln zu beginnen und Schritt für Schritt weiterzugehen.

Weitere Informationen

Gemeindewebseite mit weiteren Visualisierungen: https://fargau-pratjau.de

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